Was ist Adipositas?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) nach dem so genannten Körpermasse-Index (Body-Mass-Index = BMI).

Body-Mass-Index (BMI)KategorieRisiko für Begleiterkrankungen
<18,5Untergewichtniedrig
18,5-24,9Normalgewichtdurchschnittlich
25-29,9Übergewicht (Präadipositas)gering erhöht
30-34,5Fettleibigkeit (Adipositas)Grad I erhöht
35-39,9Fettleibigkeit (Adipositas)Grad II hoch
40 und höherFettleibigkeit (Adipositas)Grad III sehr hoch

 

Wie berechnet sich der BMI?

Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m²]. Die Formel lautet:

BMI = Körpergewicht / (Körpergröße in m)².

Die Einheit des BMI ist demnach kg/m².

Dies bedeutet, eine Person mit einer Körpergröße von 160 cm und einem Körpergewicht von 60 kg hat einen BMI von 23,4 (60 : (1,6 m)² = 23,4).

Der „wünschenswerte“ BMI hängt auch vom Alter ab. Folgende Tabelle zeigt BMI-Werte für verschiedene Altersgruppen:

AlterBMI
19-24 Jahre19-24
25-34 Jahre20-25
35-44 Jahre21-26
45-54 Jahre22-27
55-64 Jahre23-28
>64 Jahre24-29

 

Die Adipositas selbst gilt in Deutschland nicht direkt als Erkrankung sondern als körperlicher Zustand oder als eine chronische Gesundheitsstörung. Jedoch gehören die Adipositas und ihre Vorstufe, das Übergewicht, zu den wichtigen Ursachen bedeutsamer Folgeerkrankungen wie etwa Bluthochdruck, Verkalkung der Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankung), Zuckerkrankheit vom Typ 2 (Diabetes Typ 2), Krebs sowie verschiedener orthopädischer und psychischer Leiden. Etwa fünf Prozent aller Gesundheitsausgaben in den Industrieländern sind auf die Adipositas und ihre Folgen zurückzuführen.

Neben dem Ausmaß des Übergewichts (BMI) bestimmt auch die Fettverteilung im Körper das persönliche Gesundheitsrisiko. Um sie zu ermitteln, eignet sich der Taillenumfang. Übersteigt der Umfang die Werte 102 Zentimetern bei Männern beziehungsweise 88 Zentimeter bei Frauen, wird von einem deutlich erhöhten Risiko für Folgekrankheiten gesprochen.

Die Ursachen für Übergewicht und Adipositas liegen meist in einer Kombination aus genetischer Veranlagung und ungesundem Lebensstil. Adipöse Menschen haben einerseits oft eine zu fett- und insgesamt zu kalorienreiche Ernährung, andererseits kommt häufig Bewegungsmangel hinzu. Auch psychische Faktoren wie Stress oder Frust wirken begünstigend.

Zur Prävention von Übergewicht und Adipositas sind daher Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Bewegung/Sport und Stressbewältigung sinnvoll.

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Welche Ursachen führen zu Übergewicht und Adipositas?

Energie wird dem Körper durch Nahrung zugeführt. Verbraucht wird Energie im Ruhezustand (Grundumsatz) und bei jeder Art von Bewegung. Eine hohe Energiezufuhr bei geringem Verbrauch führt dazu, dass überschüssige Energie in Form von Fett im Körper eingelagert wird.

Bei adipösen Menschen können je nach Einzelfall ungünstige genetische Veranlagung, Steuerungsmechanismen im Gehirn, ungesunde Essgewohnheiten, mangelnde körperliche Aktivität sowie psychische Faktoren und Umweltbedingungen in einem komplizierten Zusammenhang stehen. Wesentlich seltener ist die Adipositas eine Folge anderer Erkrankungen oder wird durch eingenommene Medikamente begünstigt.

  • Genetische Veranlagung (Welche Rolle spielen die Gene bei Adipositas?)
    Gene können bewirken, dass der Energieverbrauch betroffener Menschen verringert wird. Studien weisen in diesem Zusammenhang auch auf ein möglicherweise gesteigertes Hungergefühl hin. Hierbei spielen vermutlich bestimmte Hirnregionen und speziell der Hypothalamus eine Rolle, denn dort befinden sich sowohl das Esszentrum als auch das Sättigungszentrum.Nach Untersuchungen bei Zwillingen gehen Fachleute davon aus, dass der Körpermasse-Index (BMI) eines Menschen in hohem Maße genetisch bedingt ist. Aus einer Studie an adoptierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist auch bekannt, dass der BMI dieser Personen ist wesentlich enger mit dem BMI ihrer biologischen Eltern oder Geschwister assoziiert ist als mit dem BMI von Adoptiveltern.
  • Falsche Ernährung
    Falsche Ernährung ist nicht ausschließlich eine Folge von Gedankenlosigkeit, fehlendem Gesundheitsbewusstsein oder unzureichender Information. Denn manchmal führen auch persönlicher Stress oder Frustsituationen, wie zum Beispiel nach Trennungen oder durch Nikotinentzug zu einer Art Hungergefühl. Essen wird dann zur Ersatzbefriedigung, zum Ausgleich nicht erfüllter Bedürfnisse oder verdrängter Gefühle. Mütter und Väter trösten leider ihre Kinder zu oft mit Essen oder wollen sie damit beruhigen. Leiden Selbstwertgefühl und Eigenwahrnehmung, kann das im Extremfall zu krankhaften Essstörungen führen.
  • Dickmacher
    Aber auch moderne Umweltfaktoren wie Zeitdruck oder rasch verfügbares Fastfood begünstigen ungesunde Essgewohnheiten. Wir essen zu hastig leckere, energiereiche Lebensmittel, ohne ein Sättigungsgefühl abzuwarten. Wir trinken zu viele zuckerhaltige Softdrinks. Gerade in einkommensschwachen Haushalten werden weniger Frischgemüse und Obst konsumiert, dafür umso häufiger Konserven und Fertiggerichte mit relativ hohem verstecktem Fettgehalt. Nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) essen die Deutschen im Schnitt 80 bis 100 Gramm Fett pro Tag. Experten empfehlen aber nur 60 bis 70 Gramm.
  • Fehlende Bewegung
    Regelmäßige körperliche Aktivität senkt das Risiko für viele Erkrankungen, auch für die Adipositas. Doch immer mehr berufliche Tätigkeiten werden im Sitzen ausgeführt, Treppen mit Hilfe von Aufzügen bewältigt und jede längere Strecke mit dem Auto gefahren, statt vielleicht das Fahrrad zu benutzen. Stundenlanger Fernsehkonsum auf der Couch ersetzt vielerorts eine aktive Freizeitgestaltung.Der Grundstein für dieses Defizit wird oft schon in der Kindheit gelegt. Es lässt sich ein Zusammenhang herstellen zwischen Bewegungsmangel in jungen Jahren sowie Übergewicht und daraus resultierenden Folgeerkrankungen im weiteren Lebensverlauf.
  • Erkrankungen
    Zu den Erkrankungen, die für die Entstehung einer Adipositas ursächlich sein können zählen zum Beispiel Essstörungen, die zu exzessiven Essanfällen mit einer übermäßigen Energiezufuhr führen können (Binge-Eating-Disorder).Adipositas kann auch eine Folge von Erkrankungen des Hormonsystems sein, wie etwa einer Unterfunktion der Schilddrüse. Als mögliche Ursache wird auch das Cushing-Syndrom genannt, bei dem ein zu hoher Cortisolspiegel im Blut infolge vom Medikamenten oder Überproduktion in den Nebennieren vorliegt.
  • Medikamente
    Es gibt auch Medikamente, die eine Gewichtszunahme begünstigen. Zu einer Adipositas führen diese Mittel jedoch üblicherweise nur, wenn zusätzlich entsprechende weitere Faktoren hinzukommen.Besteht der Verdacht, dass ein verordnetes Arzneimittel an einer Gewichtszunahme beteiligt ist, bespricht man dies am besten mit dem behandelnden Arzt. Er kann eventuell Alternativen aufzeigen oder zu entsprechenden Gegenmaßnahmen raten.

Wie werden Übergewicht und Adipositas diagnostiziert?

Einen ersten Eindruck seines Patienten erhält der Arzt durch dessen Erscheinungsbild sowie die Schilderung seiner Beschwerden, Essgewohnheiten und körperlichen Aktivitäten. Das Ausmaß des Übergewichts wird durch die Berechnung des Körpermasse-Index (BMI) bestimmt. Ergänzend dazu wird die Fettverteilung durch Messung des Taillenumfangs ermittelt.

Um auch bereits eingetretene Folgeerkrankungen oder Risikofaktoren zu erfassen, kann eine Blutentnahme notwendig sein, zum Beispiel um Blutzucker-, Blutfett- und Harnsäurewerte zu bestimmen. Eine Blutdruckmessung und gegebenenfalls ein EKG geben weitere Hinweise auf den allgemeinen Gesundheitszustand. Um hormonelle Erkrankungen auszuschließen, sind spezielle Bluttests erforderlich.

Welche Therapie wird angewandt?

Entscheidend für den Erfolg einer Therapie ist dabei die Motivation des Betroffenen.

Eine wichtige Frage sollte lauten: Hat er den Willen mitzumachen und die Disziplin, längerfristige Therapie-Maßnahmen auch konsequent umzusetzen?

Denn das Therapieziel ist es, das reduzierte Gewicht dann auch zu halten. Von strengen Diäten mit oft nur kurzfristigem Effekt raten Experten daher übereinstimmend ab.

Viele Betroffene therapieren sich erfolgreich in Eigenregie, wobei die moralische Unterstützung durch Verwandte und Freunde wichtig ist. Doch es kann in schweren Fällen auch sinnvoll oder sogar unerlässlich werden, Medikamente einzusetzen oder einen operativen Eingriff in Betracht zu ziehen.

Welche Therapiemaßnahmen zum Einsatz kommen, hängt vom Ausmaß des Übergewichts ab und davon, ob und welche Folgeerkrankungen bereits eingetreten oder schon vorprogrammiert sind. Bei Übergewicht (BMI von 25 bis 29,9) und bestehenden Erkrankungen, die sich dadurch verschlimmern, wird eine Behandlung angeraten. Bei BMI-Werten über 30 sollte in jedem Fall eine Therapie erfolgen.

  • Ernährungsumstellung (Eine Ernährungsumstellung kann helfen, das Gewicht dauerhaft zu reduzieren.)Wird dem Körper weniger Energie zugeführt, als er benötigt, dann werden gespeicherte Kalorien verbraucht, das Gewicht sinkt langsam. Deshalb ist es die Grundlage jeder Adipositas-Behandlung, die Kalorienzufuhr durch eine dauerhafte Ernährungsumstellung zu reduzieren und den Kalorienverbrauch durch mehr körperliche Aktivität zu erhöhen.Schon einige Kilo weniger reichen häufig aus, um Begleiterkrankungen zu lindern oder zu heilen. Das gilt zum Beispiel für Diabetes. Fachleute gehen davon aus, dass bereits eine Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Kilogramm die Blutzuckerwerte deutlich verbessert oder normalisiert.Wichtig! Um zu einer erfolgreichen und dauerhaften Abnahme zu gelangen, sollte man das Gewicht langsam zu reduzieren. Sonst kommt es zum so genannten Jo-Jo-Effekt, was bedeutet: Nach raschem Abnehmen hat sich der Körper auf diese verminderte Kalorienzufuhr eingestellt. Beenden Betroffene dann ihre Diät und essen wieder normal (also vergleichsweise mehr), so verwertet der Körper die jetzt zugeführte überschüssige Energie sofort. Dies hat eine übermäßige, neuerliche Zunahme des Körpergewichts zur Folge.Rasche „Abspeck-Aktionen“ haben in der Regel keinen Einfluss auf die zur Routine gewordenen Essgewohnheiten. Doch genau darauf kommt es an. Das Ernährungsverhalten und damit der Lebensstil müssen verändert werden, um das reduzierte Gewicht auf Dauer auch halten zu können.Aus all diesen Gründen halten Experten wenig von den allermeisten „Blitz-Diäten“. Sinnvoller ist eine Ernährungsumstellung mit dem Ziel einer ausgewogenen, nicht allzu kalorienreichen Kost sowie regelmäßige Bewegung.Eine Orientierung bei der Ernährungsumstellung können die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sein. Diese Regeln der DGE sollen helfen, auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse genussvoll und gesund zu essen. Dazu gehört es reichlich Getreideprodukte, Gemüse und Obst zu essen, auf verstecktes Fett zu achten (etwa in Wurst, Gebäck, Fastfood), Zucker und Salz nur in Maßen zu konsumieren und sich für die Mahlzeiten Zeit zu nehmen.Bei starker Reduktion der Kalorienzufuhr können leider Nebenwirkungen auftreten. Der schnelle Gewichtsverlust kann zum Beispiel zu fallendem Blutdruck, vorübergehender Erschöpfung und Schwindel führen. Bei sehr rascher Gewichtsreduktion treten gehäuft Gallensteine auf.Eine ärztliche Überwachung bei einer kalorienreduzierten Ernährung ist daher immer angeraten. Menschen mit krankhaften Essstörungen, anderen Allgemeinerkrankungen oder Schwangere und Stillende sollen keine Kalorienreduktion ohne Rücksprache mit einem Arzt durchführen. Bei Kindern ist der Kinderarzt hinzuzuziehen.
  • Mehr Bewegung
    Ein Bewegungsprogramm gilt inzwischen als genauso wichtig wie eine kalorienreduzierte Ernährung. Zwar führt mehr Bewegung nicht unbedingt zu einem größeren Gewichtsverlust. Denn körperliche Aktivität reduziert zwar die Fettmasse, baut aber zugleich Muskelmasse auf. Doch durch die Zunahme der Muskelmasse steigt jedoch auch der Energieumsatz. Mehr Bewegung hilft deswegen vor allem, ein reduziertes Gewicht auch auf Dauer zu halten. Außerdem hat Sport einen günstigen Einfluss auf das Sättigungsgefühl und hilft der Psyche. Stress wird abgebaut und die Motivation gesteigert.Die größte Wirkung zeigen Ausdauer-Sportarten wie Joggen, Wandern, Walking, Schwimmen oder Radfahren. Es gilt, die eigene Leistung langsam zu steigern. Wer schon länger keinen Sport mehr getrieben hat, über 35 Jahre alt ist oder unter körperlichen Einschränkungen oder Krankheiten leidet, sollte vorher unbedingt ärztlichen Rat einholen und ggf. mit geschultem Personal oder einem Personaltrainer einen Bewegungsplan auszuarbeiten. Auch mehr Bewegung im Alltag kann schon positive Effekte zeigen, wie zum Beispiel Treppen gehen, anstatt den Aufzug zu benutzen oder das Auto mal stehen zu lassen und das Fahrrad zu nehmen.
  • Verhaltensänderung
    Eine typische Verhaltenstherapie mit wöchentlichen Sitzungen über einen Zeitraum von durchschnittlich 18 Wochen kann hilfreich sein, um ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm umzusetzen. Denn durch solche Therapien werden Eigenkontrolle und Stressbewältigung verbessert und Techniken und Prinzipien erlernt, mit deren Hilfe Essgewohnheiten verändert und die körperliche Aktivität gesteigert werden können.Hierzu gehört unter anderem die Selbstbeobachtung des Ess- und Trinkverhaltens. Stellen Sie sich Fragen wie: Warum esse ich so viel? Aus Frust? Und wie kann ich besser mit dem Frust umgehen? Wie kann ich mich angemessen belohnen? Wie kann ich Sport und Bewegung besser in meinen Alltag integrieren? Wie kann ich Misserfolge beim Abnehmen besser bewältigen?Auch der Besuch von Selbsthilfegruppen kann dazu beitragen, sich gegenseitig Mut zu machen, Erfahrungen auszutauschen und so den Kampf gegen die Pfunde besser zu meistern.
  • Medikamente
    Der Einsatz von Medikamenten wird in der Regel dann in Betracht gezogen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg zeigen, der BMI über 30 steigt oder wenn bestimmte Begleiterkrankungen vorliegen. Die medikamentöse Therapie kann auch unterstützend zu diätetischen und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen erwogen werden. Eine ärztliche Kontrolle muss dafür gewährleistet sein.Der Wirkstoff Orlistat verringert die Fettaufnahme im Darm. Nimmt der Patient zu fettreiche Nahrung zu sich, kann die Substanz heftige Blähungen auslösen. Diese Reaktion des Körpers nimmt Betroffenen die Lust weiter so fettreich zu speisen. Die gewichtssenkende Wirkung von Orlistat beträgt im Schnitt 2 bis 3 Kilogramm.Wichtig! Patienten mit Gallensteinen und verminderter Bauchspeicheldrüsenfunktion dürfen Orlistat nicht einnehmen.
  • Chirurgische Eingriffe
    Chirurgische Maßnahmen kommen bei extrem übergewichtigen Erwachsenen (BMI größer 40 / Grad III) in Betracht, die nicht auf andere Therapieformen ansprechen oder bei Patienten mit einem BMI größer als 35 (Grad II), wenn zugleich schwerwiegende Begleiterscheinungen vorliegen. Es kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, die das Ziel haben, das Volumen des Magens zu verkleinern oder die Aufnahme von Nährstoffen im Dünndarm zu verringern.Eine wichtige Methode ist das so genannte Gastric Banding.Hierbei wird ein Silikonband um den oberen Teil des Magens gelegt und so dessen Durchmesser reduziert. Das Sättigungsgefühl tritt dadurch wesentlich schneller ein. Das Silikonband kann mit Flüssigkeit gefüllt und somit der Magendurchmesser nachträglich reguliert werden.Nach dem chirurgischen Eingriff nehmen die Patienten rasch ab. Der Gewichtsverlust pendelt sich nach 18 bis 24 Monaten ein. Durchschnittlich sinkt das Gewicht um 30 bis 60 Kilogramm.Wie bei vielen Operationen sind die Nebenwirkungen und Gefahren nicht zu unterschätzen. Die Sterblichkeit bei Adipositas-Operationen liegt bei 0,3 bis 1,6 Prozent. Auch verschiedene, zum Teil schwerwiegende Komplikationen, können auftreten. Etwa 20 Prozent der operierten Patienten machen aber den Behandlungserfolg zunichte, indem sie hochkalorienreiche, flüssige Nahrung zu sich nehmen. Oder sie essen nach einiger Zeit größere Mengen und dehnen dadurch den verkleinerten Magen wieder aus.Auch nach Operationen ist es daher sehr wichtig, dass Lebensstil und Ernährung nachhaltig verändert werden. Die Speisen sollen vor allem ausgewogen sein, denn wegen der jetzt vergleichsweise kleinen Mahlzeiten kann es sonst zur Mangelernährung kommen.Die Fettabsaugung (Liposuktion) wird nicht zur Therapie der Adipositas eingesetzt. Denn hierbei geht es nur um die Entfernung überschüssiger, lokaler Fettmengen. Fettabsaugung ist also ein rein kosmetisches Verfahren.

Wie kann man Übergewicht und Adipositas vorbeugen?

Obwohl passende Therapien zur Verfügung stehen, gehen Experten davon aus, dass nur ein geringer Teil adipöser Patienten gegenwärtig eine angemessene medizinische Behandlung erfährt. Das Problem werde gerade bei Kindern und Jugendlichen verharmlost oder zu wenig beachtet.

Fachleute sind sich einig: Zwar sind gesündere Ernährung und mehr Sport unerlässlich für die Therapie der Adipositas, doch damit ist es für die Betroffenen noch lange nicht getan. Sie müssen auch ihre Gewohnheiten und ihren Lebensstil auf Dauer ändern. Und dazu braucht es ein soziales Umfeld, welches sie zusätzlich unterstützt, ermutigt und motiviert. Alle Versuche, das Gewicht im „Hau-Ruck-Verfahren“ zu verringern, verbunden mit zu hohen Ansprüchen und überzogenen Erwartungen, münden regelmäßig in Misserfolg und Frust. Das Resultat daraus ist ein Rückfall in alte Gewohnheiten – zu viel und zu fett zu essen, Sport und körperliche Aktivitäten aus dem eigenen Leben weitgehend zu verbannen. Es ist ein Teufelskreis, der schwer durchbrochen werden kann.

Oft werden falsche Ernährungsgewohnheiten und fehlende körperliche Aktivität den Kindern bereits im Elternhaus vorgelebt und damit vermittelt. So wird der Grundstein für die Adipositas gelegt. Prävention muss daher schon im Umgang mit Kindern beginnen. Immer mehr Kindertagesstätten und Schulen haben es sich in Form von Projekten zur Aufgabe gemacht eine ausgewogene Ernährung zu erklären und zu aktiver Lebensgestaltung und sportlicher Aktivität zu ermuntern und anzuleiten.

Wichtig ist auch, dass gemeinsame, regelmäßige Essenszeiten eingehalten werden. Kinder sollen nicht ständig nebenbei essen. Und sie sollen nicht zu Frust- oder Langeweile-Essern werden. Denn sie bleiben es dann wahrscheinlich auch als Erwachsene.

Wo findet man häufig Übergewicht und Adipositas?

Vor allem in den Industrienationen nimmt der Anteil der Übergewichtigen und Adipösen beständig zu. Für Deutsche ab 18 Jahren gilt: Rund zwei Drittel der Männer sowie die Hälfte der Frauen sind aktuellen Erhebungen zufolge übergewichtig. Darin eingeschlossen sind etwa 20 % adipöser Männer und Frauen.

Daten des Robert-Koch-Instituts verdeutlichen, dass vor allem für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene eine zunehmende Verbreitung von Übergewicht und Adipositas festgestellt werden muss. Für die Altergruppe bis 17 Jahre heißt es: 15 % der Jungen und Mädchen sind übergewichtig, über 6 % gar adipös.

Was bezahlt die Krankenkasse?

Die Behandlungskosten einer Adipositas-Therapie werden gegenwärtig von den gesetzlichen Krankenkassen nur in begründeten Fällen übernommen. So werden etwa operative Eingriffe bei extrem Adipösen nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst bezahlt. Die zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion von den Betroffenen benötigten Medikamente sind dagegen üblicherweise selbst zu finanzieren. Sie liegen für die genannten Wirkstoffe bei monatlich zwischen 45 und 110 Euro. Auch das Geld für die Teilnahme an bestimmten Programmen zur Gewichtsabnahme müssen Betroffene selbst aufbringen, erhalten aber oft einen Zuschuss durch ihre Krankenkasse.

Im Rahmen ihrer Vorsorgeleistungen beteiligen sich gesetzliche Kassen aber oft an den Kosten von Gesundheitskursen rund um die Themen Abnehmen und richtige Ernährung. Kostengünstig offerieren auch Volkshochschulen entsprechende Kurse.

Was ist der Unterschied zwischen Adipositas und Übergewicht?

Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht) ist ein chronischer Krankheitszustand, bei dem sich im Körper über das Normalmaß hinausgehend Fettgewebe ansammelt und so das Körpergewicht erhöht ist. Übergewicht ist der Übergang von Normalgewicht zu Adipositas.

Es ist genau festgelegt, ab welchem Gewicht Übergewicht oder Adipositas besteht. (siehe Tabelle am Anfang)

Adipositas und auch Übergewicht erhöhen das Risiko für Stoffwechsel- beziehungsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um das individuelle Risiko einschätzen zu können, ist es allerdings notwendig, neben dem Körpergewicht das Fettverteilungsmuster zu bestimmen. Eine einfache Möglichkeit besteht darin, das Bauchfett anhand des Taillenumfangs zu schätzen:

Bei einem Taillenumfang von mehr als 80 Zentimetern bei Frauen beziehungsweise mehr als 94 Zentimetern bei Männern ist das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht.

Ab einem Umfang von 88 Zentimetern bei Frauen beziehungsweise 102 Zentimetern bei Männern liegt eine Bauchfettsucht (abdominale Adipositas) mit einem deutlich erhöhten Risiko für Stoffwechsel- beziehungsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.