Nahezu jeder Mensch ist schon einmal in Kontakt mit Schlafstörungen gekommen. Entweder war er selbst betroffen oder lebt mit jemandem zusammen, der unter solchen Problemen leidet. Wichtig ist, Schlafstörungen zu erkennen und sich schlafmedizinisch untersuchen zu lassen, denn Schlafstörungen können erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen.

Überblick über die Arten von Schlafstörungen

In der modernen Schlafmedizin werden insgesamt 88 Formen von Schlafstörungen unterschieden, welche in sechs Kategorien eingeteilt sind. Es handelt sich hierbei um die sogenannte „ICSD-2“ (International Classification of Sleep Disorders = internationale Klassifikation der Schlafstörungen). Man unterscheidet zwischen:

1. Insomnien (Ein- bzw. Durchschlafstörungen)

Schlaflosigkeit-schäfchen-zählenAls Insomnien werden alle Ein- bzw. Durchschlafstörungen bezeichnet, welche in unterschiedliche Formen zu unterscheiden sind. Die häufigste Form ist hierbei wohl die akute Insomnie, bei der die jeweilige Person akutem psychischem bzw. physischem Stress ausgesetzt ist, z.B. beruflicher Stress oder große finanzielle Sorgen. Sie tritt meist nicht häufiger als circa drei Nächte pro Woche auf und hält in der Regel nicht länger als vier Wochen an. Wenn sich die Stressreaktion allerdings verselbstständigt, kann sich aus dieser akuten Schlaflosigkeit eine chronische psychophysiologische Insomnie entwickeln, die zu einer andauernden reduzierten Leistungsfähigkeit am Tag führen kann.

Im Gegensatz zu der akuten oder chronischen psychophysiologischen Insomnie, welche durch psychischen oder physischen Stress entsteht, gibt es auch Formen der Schlaflosigkeit, die entweder in der Kindheit beginnen, sich durch psychische Erkrankungen oder aus anderen Gründen, wie z.B. organischen Erkrankungen oder Medikamentenmissbrauch, entwickeln können.

2. Schlafbezogene Atmungsstörungen

Die bekannteste Form der schlafbezogenen Atmungsstörungen ist das sogenannte „Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom“. Der Grund für diese Störung ist eine Verengung der oberen Atemwege im Schlaf; aus diesem Grund treten während des Schlafes kurzzeitige Atemstillstände auf, welche sich während der Nacht permanent wiederholen. Diese Atemaussetzer können teilweise länger als zwei Minuten anhalten und sind daher gesundheitlich äußerst bedenklich. OSAS-Patienten wachen nachts dementsprechend sehr häufig auf, was den menschlichen Organismus außergewöhnlich stresst und zu hohem Blutdruck führen kann. Die Symptome umfassen zudem u.a. eine erhöhte Tagesmüdigkeit, Schnarchen, Potenzstörungen beim Mann oder auch Insomnien, die allerdings zumeist bei Frauen auftreten.

Das Risiko für die Erkrankung am „obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom“ steigt, sobald mindestens ein Verwandter auch von dieser Störung betroffen ist. Aber auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle: So tritt diese Atmungsstörung zumeist bei Männern auf. Bei Frauen tritt sie vermehrt nach der Menopause auf. Ein erhöhtes Risiko ergibt sich u.a. auch aus Übergewicht, Alkoholmissbrauch, einer Schilddrüsenunterfunktion, Tumoren im Rachenraum oder einem hohen Lebensalter.

3. Hypersomnien zentralnervösen Ursprungs

Diese Art findet ihren Ursprung in einer Erkrankung des zentralen Nervensystems; die bekannteste Form ist hierbei die sogenannte „Narkolepsie“ (Schlafkrankheit). Eine Hypersomnie ist das Gegenteil einer Insomnie, d.h. der oder die Betroffene leidet nicht an Schlafmangel, sondern an Schlafsucht. Die Narkolepsie zeichnet sich durch eine besonders exzessive Schläfrigkeit am Tag und plötzliche Einschlafattacken aus, welche zumeist auch mit einer Kataplexie verbunden sind. Dies ist ein Verlust der Muskelspannung, welcher durch besonders starke Emotionen bei vollem Bewusstsein verursacht wird und zu schweren Stürzen führen kann. Weitere Symptome bei der Narkolepsie können sogenannte Schlaflähmungen oder Halluzinationen sein. Es handelt sich bei dieser Erkrankung um eine Störung der Schlaf-Wach-Regulation, wobei die genauen Auslöser nicht genau bekannt sind, wobei wissenschaftlich einiges daraufhin deutet, dass es sich um eine genetisch bedingte Autoimmunerkrankung handeln könnte. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten; auch Kinder können davon betroffen sein.

4. Zirkadiane Rhythmusstörungen

Bei zirkadianen Schlafstörungen handelt es sich um Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, welche häufig durch Nacht- bzw. Schichtarbeiten oder durch den sogenannten „Jetlag“ ausgelöst werden. Etwa 3 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten regelmäßig zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens. Dieser Tagesrhythmus entläuft entgegengesetzt zur inneren Uhr, da sich der Mensch zu dieser Zeit normalerweise erholt. Diese Störung führt nicht nur zu Reaktions- und Konzentrationsschwierigkeiten; im schlimmsten Fall kann ein Sekundenschlaf auftreten, welcher das Unfallrisiko drastisch erhöht. Der Schlaf nach der Nachtarbeit ist nicht besonders erholsam und die Schlafdauer wird dabei chronisch verkürzt, was u.a. zu psychischen Erkrankungen oder Störungen im Herz-Kreislaufsystem führen kann.

Beim „Jetlag“ wird ebenfalls der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört. Diese Schlafstörung tritt zumeist auf, wenn man von einem Ort zu einem anderen Ort in einer komplett anderen Zeitzone reist; betroffen sind hier in der Regel Flugreisende. Die innere Uhr wird hierbei durcheinander gebracht, was u.a. zu Durchschlaf- bzw. Einschlafstörungen oder Störungen des Magen-Darm-Traktes führen kann. Je nach Anzahl der durchflogenen Zeitzonen, der gewählten Flugrichtung und der eigenen körperlichen Verfassung kann ein Jetlag bis zu zwei Wochen dauern. Besonders betroffen sind von dieser Störung Menschen, die viel mit dem Flugzeug reisen, wie z.B. Flugbegleiter/innen oder Piloten bzw. Pilotinnen.

5. Parasomnien

Als Parasomnien werden unerwünschte und unangemessene Verhaltensauffälligkeiten bezeichnet, die während des Schlafes auftreten. Eine der bekanntesten Formen der Parasomnie ist das Schlafwandeln. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Aufwachstörung, die meistens im ersten Drittel der Nacht während des Tiefschlafes in Erscheinung tritt. Unter diese Art werden dabei alle Verhaltensauffälligkeiten, wie z.B. Sprechen während des Schlafens bzw. nächtliche Gänge zum Kühlschrank oder zu anderen Orten, zusammengefasst. Das Schlafwandeln ist eine genetisch bedingte Störung, die bei Männern und Frauen gleichermaßen auftreten kann; am meisten verbreitet ist sie bei Kindern, bei denen ungefähr 30% der Vier- bis Sechsjährigen betroffen sind. In der Regel lassen die Symptome mit Beginn der Pubertät nach. Bestimmte Faktoren, wie z.B. ein hoher Alkohol- bzw. Koffeinkonsum, können Parasomnien ebenfalls fördern.

6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Schlafbezogene Bewegungsstörungen treten immer häufiger auf; hierbei hat der Körper während des Schlafes den Drang, bestimmte Körperregionen zu bewegen, was zu einem unruhigen Schlaf führt.
Das „Restless-Legs-Syndrom“ (RLS) ist dabei neben dem Zähneknirschen die bekannteste Art schlafbezogener Bewegungsstörungen. RLS ist mit Gefühlsstörungen und einem ausgeprägten Bewegungsdrang in den Beinen und Füßen, teilweise auch in den Armen, verbunden. Es tritt in der Regel immer in Zeiten der Entspannung auf – sowohl bei Ruhezeit während des Tages als auch beim Nachtschlaf. Jeder, der von dieser neurologischen Erkrankung betroffen ist, beschreibt seine Symptome anders. Während es bei der einen Person ein Kribbeln oder ein Ziehen ist, kann es beim Anderen ein Schmerz- oder Wärmegefühl sein, was die plötzlichen Bewegungen der Extremitäten verursacht. Linderung findet man kurzfristig nur durch Bewegung, wie z.B. Umherlaufen. Allerdings können die Symptome während der nächsten Ruhe- und Entspannungsphase wieder auftreten.

Männer, Frauen, als auch Kinder sind gleichermaßen betroffen. Es kann in jedem Alter beginnen, wobei die Schwere der Erkrankung bei älteren Menschen, bei denen die Symptome häufiger auftreten und länger andauern, zunimmt.

Die Ursachen sind bis heute noch nicht gefunden worden. Es wird allerdings vermutet, dass diese Bewegungsstörungen mit Veränderungen im Transmitterstoffwechsel zusammenhängen.

Sonstige Schlafstörungen:
Neben diesen sechs Kategorien gibt es noch weitere Formen, z.B. Störungen, die mit organischen Erkrankungen verbunden sind oder umgebungsbedingt sind.

Habe ich eine Schlafstörung?

Diese Frage stellen sich viele Menschen, die nicht ausreichend Schlaf bekommen. Ein Weg, bei dem man erkennen kann, ob man eine Schlafstörung haben könnte, ist das sogenannte Schlaftagebuch, in dem man alle Auffälligkeiten, die den Schlaf betreffen, schriftlich festhält. Notiert werden hierbei unter anderem die Einschlafzeit, wie oft man nachts wach wird und wie lange, die Aufstehzeit, alle Symptome, die während des Schlafens auftreten, wie man diese zu lindern versucht hat und ob dieses erfolgreich war.

Eine endgültige Diagnose kann man selbst allerdings nicht stellen, daher sollte man bei möglichen Schlafstörungen immer einen Facharzt für Schlafmedizin konsultieren.

Quellenverzeichnis:

www.stern.de
www.intersom.de
www.apotheken-umschau.de
www.magazin.betten.de
http://www.schlafzentrum.med.tum.de