Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Rheuma der Überbegriff für Erkrankungen, die an den Bewegungsorganen auftreten und fast immer mit Schmerz und häufig mit Bewegungseinschränkungen verbunden sind. Rheuma kann jeden treffen, nicht nur alte Menschen, sondern auch junge Leute und sogar Kinder.

Morbus Bechterew Osteoporose Arthrose

Was versteht man unter Rheuma und was ist dabei die chronische Polyarthritis?

Rheuma ist der Überbegriff von mehr als 100 verschiedenen rheumatischen Erkrankungen. Was man umgangssprachlich unter Rheuma versteht ist meist die chronische Polyarthritis oder auch Rheumatoide Arthritis genannt.

Es ist mit ca. 800.000 Betroffenen in Deutschland die häufigste rheumatische Erkrankung. Frauen erkranken dreimal so häufig wie Männer. Gehäuft tritt es im Alter von 55 und 75 Jahren auf. Gelegentlich sind aber auch Kinder betroffen (juvenile idiopathische Arthritis).

Die chronische Polyarthritis (poly = viel, arthritis = Gelenksentzündung) ist nach der aktivierten Arthrose die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Typisch ist ein Befall mehrerer Gelenke, beginnend an den Finger- und Zehengelenken aber auch andere Gelenke an Händen, Füßen, Knie, Hüfte oder Schulter können betroffen sein.

Warum kommt es zu dieser Erkrankung?

Die Ursache für die chronische Polyarthritis ist nicht ganz geklärt. Man vermutet aber, ähnlich wie beim Morbus Bechterew, eine körpereigene Reaktion des Immunsystems gegen die eigenen Gelenke. Die chronisch entzündete Gelenkinnenhaut (Synovialis) führt auf Dauer zu einer Zerstörung des Gelenkknorpels und des benachbarten Knochens.

Über welche Beschwerden klagen die Patienten?

Der Krankheitsbeginn ist oft schleichend, kann aber auch plötzlich eintreten. Typischerweise betroffen sind die kleinen Finger- und Zehengelenke. Neben Schmerzen schwellen die Gelenke meistens auch an, werden steif, überwärmt und gerötet. Im Gegensatz zu verschleißbedingten Gelenkerkrankungen, sogenannten Arthrosen, ist der Entzündungsschmerz in den Gelenken typischerweise in Ruhe und bessert sich bei Bewegung. Morgens sind diese Symptome am stärksten ausgeprägt, da man nach dem Aufstehen in einem guten Bett in Ruhe war. Man spricht dabei von der typischen Morgensteifigkeit. Bei starken Entzündungen kommt es auch zu nächtlichen Gelenkschmerzen, von denen man aufwachen kann.

Im Krankheitsverlauf werden immer mehr Gelenke befallen. Neben den Finger- und Zehengelenken sind bevorzugt die Hand- und Fußwurzelknochen, aber auch Hand-, Knie-, Schulter-, Hüft- und Sprunggelenke betroffen.
Meist verläuft die Krankheit schubweise, ein Schub dauert typischerweise zwischen einigen Wochen und Monaten an. Zwischen den einzelnen Schüben lassen die Beschwerden nach.

Wie stellt man Rheuma fest? *

Für das Erkennen der chronischen Polyarthritis sind meist spezialisierte Rheumatologen zuständig. Die Diagnostik erfolgt durch Blutabnahme, Untersuchungen und Röntgenbilder.
Im Blut lassen sich meist sogenannte Rheumafaktoren, eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit und erhöhte Entzündungswerte (C-reaktives Protein) nachweisen. In neueren Testverfahren gewinnt die Bestimmung von bestimmten Antikörpern (ACPAs) an Bedeutung.

In der sogenannten EULAR-Klassifikation werden Punkte für Kriterien wie Art und Zahl der betroffenen Gelenke, bestimmte Blutwerte und die Dauer der Gelenksentzündung vergeben und anhand der Punktzahl entschieden, ob es sich dabei um die Erkrankung handelt.

Mittels Röntgen und Kernspin wird ersichtlich, wie weit die Schädigung von Gelenken und Knochen vorangeschritten ist. Eine Weichteil- oder Knochenszintigraphie kann Aufschluss über das Verteilungsmuster der Entzündungsaktivität geben.

Wie erfolgt die Therapie der chronischen Polyarthritis? *

Die Behandlung der chronischen Polyarthritis ist abhängig vom Stadium der Erkrankung, von der Schwere der Erkrankung, von der Krankheitsaktivität und von den im Augenblick im Vordergrund stehenden Problemen.

Wichtige Eckpfeiler der Therapie sind Medikamente, Krankengymnastik, sonstige physikalische Therapiemaßnahmen wie Kältepackungen, manchmal auch Wärmepackungen, Unterwasser-Bewegungsbad, Ergotherapie, psychologische Schmerzbewältigung, manchmal auch Operationen, dazu Patientenschulung und gegebenenfalls eine psychologische Stützung und Begleitung. Die optimale Therapie eines Patienten mit chronischer Polyarthritis erfolgt in rheumatologisch spezialisierten Einrichtungen wie rheumatologischen Schwerpunktpraxen und Rheumafachkliniken.

Medikamentös wird die Therapie in vier Hauptgruppen unterschieden: Schmerzmittel, antientzündliche Medikamente, Cortison und sogenannte Basistherapeutika. Welche das sein können, klärt sie der behandelnde Arzt auf!
Bei schwersten Gelenkveränderungen, die im Laufe einer chronischen Polyarthritis entstehen können, sind auch operative Eingriffe notwendig: arthroskopische oder offene Entfernungen von entzündeter Gelenkinnenhaut, Entfernung und Versteifung von Gelenken, Gelenksprothesen oder operative Bestrahlung von Gelenken.

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Interessantes zum Thema Rheuma!!!

Die passende Ernährung kann bei entzündlichem Rheuma Beschwerden lindern und helfen, Medikamente einzusparen.

Die richtige Ernährung ist eine wichtige Säule der Behandlung. Patienten mit chronisch entzündlichem Rheuma haben weniger Beschwerden und brauchen manchmal sogar weniger Medikamente, wenn sie ihre Ernährung umstellen und dabei vor allem ihren Fleisch- und Wurstkonsum einschränken.

Ernährungsexperten empfehlen eine überwiegend pflanzliche Kost, die durch fettarme Milchprodukte und Fisch ergänzt wird.

Der Grund dafür ist, dass Patienten, die ihren Speiseplan entsprechend gestalten, deutlich weniger entzündungsfördernde Arachidonsäure aufnehmen. Diese Fettsäure steckt vor allem in Fleisch, Ei und fettreichen Milchprodukten. Pflanzliche Lebensmittel hingegen liefern keine Arachidonsäure.

Fisch und Meeresfrüchte enthalten zwar auch Arachidonsäure, liefern jedoch einem hohen Gehalt an Fettsäuren, die als günstig gelten (Omega-3-Fettsäuren). Auch einige Fettsäuren in Pflanzenölen sollen einen positiven Einfluss haben.

Milchprodukte enthalten ebenfalls Arachidonsäure, aber auch wertvolles Eiweiß und den Knochenbaustein Kalzium. Um die Knochen zu stärken und Osteoporose vorzubeugen, sollten Rheumatiker zu fettarmen Produkten greifen, da diese weniger Arachidonsäure liefern.

Die richtige Ernährung kann die Rheuma-Therapie leider nur ergänzen, aber nicht ersetzen. Zudem zählen zum Oberbegriff Rheuma ganz unterschiedliche Krankheiten, die eine individuell angepasste Therapie erfordern. Was Patienten im Speziellen bei ihrer Ernährung beachten sollten, sprechen sie deshalb am besten mit dem behandelnden Arzt ab.

Allgemeine Ernährungs-Tipps:

  • Meiden Sie fettreiche, tierische Lebensmittel wie Schweineschmalz, Leber, Eigelb, Butter, Sahne sowie fettreiche Wurst- und Käsesorten.
  • Essen Sie höchstens zweimal Fleisch oder Wurst pro Woche. Bevorzugen Sie magere Sorten.
  • Bauen Sie täglich viel Obst und Gemüse in Ihren Speisezettel ein. Fünf Portionen gelten als ideal.
  • Versuchen Sie, zweimal wöchentlich Fisch zu essen, zum Beispiel Lachs, Hering oder Makrele.
  • Probieren Sie verschiedene vegetarische Gerichte aus, zum Beispiel Gemüsepfannen, Aufläufe, eifreie Pasta mit Gemüsesoße, Reisgerichte.
  • Verwenden Sie pflanzliche Öle, die reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E sind, zum Beispiel Lein-, Raps-, Walnuss- und Sojaöl. Auch Nüsse sind reich an wertvollen Fettsäuren und Vitaminen. Sie schmecken pur, im Salat oder im Müsli.
  • Trinken Sie täglich einen halben Liter fettarme Milch, oder essen Sie dieselbe Menge fettreduzierter Milchprodukte (Joghurt, Quark, Käse).
  • Halten Sie sich bei alkoholischen Getränken zurück.

Dies sind nicht nur Empfehlungen für Rheuma-Patienten!!!


* Dieser Text dient nur zur Orientierung! Es handelt sich nicht um eine Diagnose!