Dieser Text dient nur zur Orientierung! Es handelt sich nicht um eine Diagnose!

Rheuma

Was versteht man unter Osteoporose?

Die Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochens bei der es zu einer Abnahme der Knochendichte durch einen übermäßig raschen Abbau der Knochensubstanz und –struktur kommt. Dies führt häufig zu Knochenbrüchen im Bereich des ganzen Skelettes, kann aber auch ganz allgemein Knochenschmerzen verursachen.

Das Knochengewebe wird zeitlebens ab- und aufgebaut. Im Idealfall und bei jungen, knochengesunden Erwachsenen, besteht ein Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau. Mit etwa 30 Jahren hat jeder Mensch seine größte Knochendichte erreicht, die ab dann um ca. 0,5% bis 1% pro Jahr abnimmt. Wenn diese Abnahme der Knochensubstanz schneller als bei einem Knochengesunden verläuft (z. B. um 2% bis 5%), entwickelt sich eine Osteoporose. Wird eine bestimmte Grenze der Knochenfestigkeit dabei unterschritten, so kann es zu Knochenbrüchen kommen, z. B. Rippenbrüche beim Husten oder Brüche an den Wirbelkörpern bei geringer Belastung der Wirbelsäule.

Bei der Osteoporose handelt es sich um die häufigste Knochenerkrankung im höheren Alter. 25,8% der über 50jährigen in Deutschland leidet an dieser Krankheit. Dabei sind Frauen mit 83% deutlich häufiger betroffen als Männer.

Wie entsteht die Osteoporose?

Jede 3. Frau und jeder 5. Mann über 50 Jahre leiden an einer Osteoporose. Knochenbrüche können dann bereits bei relativ harmlosen Einwirkungen auftreten. Die Entwicklung der Osteoporose ist bis zum Auftreten von Brüchen weitgehend schmerzlos. Brüche sind häufig Ursache für die Größenabnahme und die Rundrückenbildung älterer Menschen (sog. Buckel). Besonders gefürchtet ist der Bruch des Oberschenkelhalses bei älteren Menschen, da dies zu bleibender Behinderung führen kann.

Generell unterscheidet man die primäre und sekundäre Osteoporose. Während die sekundäre mit 5% eher selten ist und auf andere Krankheiten oder auf die Einnahme von Cortison zurückzuführen ist, betrifft die primäre Osteoporose ausschließlich den Knochen. Die Knochenmasse nimmt etwa in den ersten 30 Lebensjahren zu, erreicht dann einen Höhepunkt und fällt in den späteren Lebensjahren langsam wieder ab.

Die Typ I-Osteoporose (postmenopausale Osteoporose), die durch eine Überaktivität der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) bei 50-65jährigen Frauen nach Beendigung der Regelblutung, auftritt. Bei etwa 30 bis 40% aller Frauen kommt es nach den Wechseljahren zu einer Osteoporose, weil die Produktion der weiblichen Hormone (in erster Linie der Östrogene) und damit deren bremsender Einfluss auf die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) ausbleibt. Doch nur etwa ein Drittel aller Frauen erkrankt später an einer Osteoporose.

Von einer Typ II-Osteoporose (senile Osteoporose) spricht man, wenn diese als Folge anderer Erkrankungen, z. B. entzündlich rheumatische Erkrankungen, wie rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew, Schilddrüsenüberfunktionen und andere seltenere Hormonstörungen, chronische Magen-Darm-Erkrankungen mit gestörter Kalziumaufnahme auftritt. Ungünstige Ernährungsfaktoren, insbesondere phosphatreiche Lebensmittel und eine kalziumarme Ernährung, aber auch Bewegungsmangel und bestimmte Medikamente (z. B. Cortison), können ebenfalls zu einer Osteoporose beitragen. Durch eine altersbedingte, verminderte Aufnahme von Calcium und Vitamin D und deren Einbau in den Knochen bei Frauen und Männern über 70 Jahre kann auch eine solche sekundäre Osteoporose auftreten. Männer erkranken jedoch deutlich seltener als Frauen.

Wie erkennt man Osteoporose? *

Um Knochenbrüche zu vermeiden, sollte ein Osteoporose-Risiko so früh wie möglich erkannt werden. Bei Verdacht auf Osteoporose ist die wichtigste Untersuchungstechnik die Knochendichtemessung. Diese sollte mit der DXA-Methode (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry) gemessen werden.

Zwar stehen heute eine ganze Reihe von Messmethoden zur Erfassung der Knochendichte zur Verfügung, jedoch ist die DXA-Methode die einzige von internationalen Gesundheitsbehörden anerkannte Methode zur Messung der Knochendichte. Die Ergebnisse anderer Methoden ergeben, auch wenn es manchmal so aussieht, keine vergleichbaren Werte. Die DXA-Methode ist ein Röntgenverfahren mit besonders niedriger Strahlenbelastung.

Da sich die Knochendichte nur sehr langsam ändert, sollte bei eine Osteoporose und deren Therapie eine Wiederholungsmessung in 2-jährigen Abständen erfolgen. Bei Patienten, die Kortison Präparate einnehmen müssen, sollte nach Einnahmebeginn die erste Kontrollmessung bereits nach 6 bis 12 Monaten erfolgen.

Bei der DXA-Methode wird der sogenannte T-Wert ermittelt, der einen Vergleich des gemessenen Knochendichtewertes mit der Population junger, erwachsener Frauen liefert und eine Aussage zum Bruchrisiko ermöglicht.

Bei einer Standard-Abweichung dieses T-Wertes von -1,5 bis -2,5 spricht man von einer Knochendichteminderung (Osteopenie) im Gegensatz zum Knochenschwund (Osteoporose) bei einem Wert unter -2,5.
Neben der Knochendichtemessung kann aber auch die Röntgenaufnahme Hinweise darauf geben, dass eine Osteoporose vorliegt, sie aber nicht quantitativ messen. Jedoch können auf dem Röntgenbild Brüche von Wirbelkörpern oder anderen Röhrenknochen nachgewiesen werden, welche vielleicht gar nicht aufgefallen sind oder behandelt wurden.

Die Messung der Knochendichte zur Früherkennung ist derzeit keine Leistung der gesetzlichen Kassen. Der Versicherte muss sie nur dann nicht selbst bezahlen, wenn vor der Messung ein Knochenbruch ohne erklärende Ursache und zusätzlich ein Verdacht auf Osteoporose (Risikofaktoren) vorliegen.

Um die Osteoporose richtig diagnostizieren zu können, sind neben der Knochendichtemessung auch Laboruntersuchungen notwendig. Diese dienen vor allem dazu, andere Erkrankungen, die ebenfalls mit einer erniedrigten Knochendichte einhergehen, erkennen zu können.

Blutwerte alleine reichen allerdings nicht aus eine Osteoporose oder Osteopenie zu diagnostizieren.

Wie behandelt man Osteoporose und was kann man vorbeugend dagegen machen? *

Die Osteoporose vorzubeugen muss schon in frühen Jahren begonnen werden. Hierzu gehört eine kalzium- und vitaminreiche Ernährung in allen Lebensphasen und eine altersgemäße Entwicklung der Sexualhormone in der Jugend. Ebenso ist von Anfang an auf ausreichende Bewegung und Belastung der Knochen zu achten. Feste Knochen können sich nur ausbilden, wenn sie belastet werden. Deshalb ist Sport und Bewegung möglichst im Freien mit angemessener Sonnenbestrahlung von Kindesbeinen an besonders wichtig. Der derzeit vorherrschende Lebensstil hemmt leider eher die Bildung eines starken Knochengerüsts, da Kinder leider viel zu viel Zeit mit Hausaufgaben und vor dem Fernseher oder der Spielekonsole verbringen.

Das Sonnenlicht fördert die Produktion von Vitamin D in der Haut und ernährungstechnisch wird empfohlen, dass man ca. 1 Gramm Calcium pro Tag über Milchprodukte zu sich nehmen sollte. Doch ernähren sich immer mehr Menschen vegan. Doch auch das ist kein Problem. Viele Pflanzen und Nüsse enthalten auch Calcium, wie zum Beispiel Mandeln, Sesam, Brokkoli, Brennnessel, Lauch, Kohlrabi, Wirsing oder grüne Bohnen.

Ist es zu einer Osteoporose gekommen, muss die Therapie einsetzen. Grundlage der Therapie ist eine ausreichende Versorgung mit Calcium (1000 mg/Tag) und Vitamin D (800 – 2000 Einheiten Vitamin D/Tag). Während Calcium mit den täglichen Mahlzeiten häufig ausreichend zugeführt werden kann, ist zu beachten, dass die Versorgung von Vitamin D über die Nahrung hierzulande kaum möglich ist. Sie muss durch die Sonnenbestrahlung der Haut oder über Medikamente erfolgen. Natürlich sollte, solange die Knochendichte noch nicht allzu niedrig ist, Bewegung zum Therapieprogramm gehören.

Calcium, Vitamin D und Bewegung sind jedoch oft nicht genug, um einen ausreichenden Therapieeffekt zu erzielen. Eine zusätzliche, intensivere Medikation ist nun unbedingt notwendig. Hierbei können zwei unterschiedliche Behandlungsstrategien genutzt werden.

Der am häufigsten beschrittene Weg ist die Verhinderung des weiteren Knochenabbaus. Einige Medikamente können zudem den Knochenaufbau fördern. Wegen ihrer günstigen Effekte und ihrer deutlich verbesserten Verträglichkeit haben sich die Bisphosphonate in den letzten Jahren als Mittel der ersten Wahl durchgesetzt. Allerdings sind die Einnahmevorschriften genau zu beachten. Sie hemmen effektiv den Knochenabbau und müssen über mehrere Jahre eingenommen werden. Ein starker Hemmer des Knochenabbaus ist auch das zwei Mal pro Jahr unter die Haut zu spritzende Denosumab.

Eine weitere Therapiemöglichkeit, speziell für Frauen, besteht in der täglichen Einnahme von Raloxifen. Hierbei handelt es sich um eine neue Substanzklasse, die als selektive Östrogenrezeptormodulatoren bezeichnet wird. Sie haben am Knochen eine östrogenähnliche und somit eine Knochenabbau hemmende Wirkung. Im Gegensatz zu den klassischen Östrogenen vermindern sie das Brustkrebsrisiko.

Der Knochenaufbau wird von Teriparatid bzw. Parathormon entscheidend gefördert. Diese Substanzen müssen täglich, ähnlich wie Insulin, unter die Haut gespritzt werden. Weiterhin steht auch Strontiumranelat als Therapeutikum zur Verfügung. Es ist gut verträglich und kann sowohl den Knochenabbau hemmen als auch den Knochenaufbau fördern. Allerdings wird nach der Einnahme auf Grund seiner besonderen physikalischen Eigenschaften die Knochendichte zu hoch gemessen, so dass das Messergebnis nach unten korrigiert werden muss.

Auf Grund der neueren Medikamente werden andere, früher häufig verwendete Medikamente, seltener eingesetzt. Calcitonin, ein körpereigenes Hormon, ist ein Knochenabbau hemmendes Präparat und kann als Spritze oder als Nasenspray angewendet werden. In Spritzenform führt es häufig zu Hitzewallungen, was seinen Einsatz bei manchen Patienten begrenzt. Als Nasenspray ist es teurer aber besser verträglich.

Fluorpräparate fördern den Knochenaufbau. Fluor ist in unterschiedlicher Form zur Therapie zugelassen. In Form von Natriumfluorid sind genaue Einnahmevorschriften zu beachten, da nicht nur Medikamente, sondern auch alltägliche Nahrungsmittel seine Wirkung abschwächen können. Eine Überdosierung von Fluor kann zum Gegenteil, nämlich zu einer Erhöhung der Knochenbrüchigkeit führen. Darüber hinaus besteht noch eine Therapiemöglichkeit durch Einnahme von aktiviertem Vitamin D.

Neben der medikamentösen Therapie ist auf ausreichende Bewegung und das Vermeiden von Stürzen durch Beseitigung von Stolperfallen zu achten. Bei besonderer Sturzgefahr empfiehlt sich das Tragen eines Hüftprotektors, der durch Abpolsterung das Risiko eines Oberschenkelhalsbruches vermindert. Sollte es trotz allem zu einem Knochenbruch gekommen, so ist eine ausreichende Schmerztherapie und eine schnelle Wiedergewinnung der Mobilität von starker Bedeutung.


* Dieser Text dient nur zur Orientierung! Es handelt sich nicht um eine Diagnose!