Was ist Leder?

Leder gehört zu den am meisten verwendeten Materialien. Es wird vor allem bei der Produktion von Sitz- und Polstermöbeln, aber auch in der Wohnraumausstattung verwendet. Beliebt ist Leder auch in der Innenraumgestaltung von Autos, als Überzug von Bällen, Schuhe, Bekleidung, Taschen oder als überwiegender Bestandteil von Sätteln oder Geschirren von Pferden. Es kann aus nahezu jeder tierischen Haut gewonnen werden. Meist werden die Häute von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen und Schweinen verwertet. Vor allem in der Schuh- und Handtaschenproduktion werden auch exotische Lederarten (z.B. Krokodil- oder Schlangenleder) verwendet. Leder wurde bereits im vierten Jahrtausend vor Christus genutzt.

Kunstleder Alle Revor-Polsterstoffe im Überblick

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Echtleder-Varianten von Revor

Geschichte

Leder ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Die ältesten Funde von Ledergegenständen stammen aus Ägypten. Auf einem Sarkophag aus dem dritten Jahrtausend vor Christus etwa sind Szenen mit Gerbern zu erkennen. Auch die über 5000 Jahre alte Gletschermumie „Ötzi“ trug Schuhe, Oberbekleidung und Mütze aus verschiedenen Ledern. Vermutlich verwendeten bereits die Neandertaler Felle und Leder als Bekleidung und zur Auskleidung der Höhlen.

Die Ägypter und die Hochkulturen des Alten Orients verwendeten Leder auch als Schreibunterlage: das Pergament. Der Vorteil gegenüber dem Papyrus, war die bessere Haltbarkeit, die glattere Oberfläche, die Festigkeit und die Möglichkeit die Seiten wieder zu verwenden. Der Name leitet sich von der antiken Stadt „Pergamon“ ab. Das dort hergestellt Pergament, war sprichwörtlich legendär. Obwohl eine Kuhhaut zweifelsfrei mehrere Pergamentseiten ergab, reichte der Platz nicht für die entsprechende Geschichte. Der bekannte Spruch „Das geht auf keine Kuhhaut“ ist daraus entstanden.

In der Zeit des römischen Imperiums war Leder sogar einer der Gründe für die punischen Kriege. Denn als reicher Zwischenhandelsplatz hatte Carthago das Leder-Monopol in Europa und im Mittelmeerraum und war den Römern daher ein Dorn im Auge. Später waren höchstwahrscheinlich Südfrankreich und Spanien die Produktionsstätten.

Nach dem Sturz des Römischen Reichs wurde Herstellung und Handel von Leder kontrolliert und einige Produkte mit einer Steuer belegt. Im Mittelalter war der Herstellungsprozess in Vorderasien und Nordafrika deutlich weiter fortgeschritten als in Europa, was sich sowohl in der Quantität als auch in der Qualität niederschlug. Erst 1749 wurde im Elsass die erste Lederfabrik errichtet. In Deutschland war die Herstellung von verschiedenen Lederarten lange einzelnen Regionen vorbehalten.

Noch heute wird Leder von vielen Naturvölkern als Werkstoff vielfältig eingesetzt, z.B. bei den Inuit, sie fertigen daraus u.a. Kajaks, Zelte und unzählige Dinge des täglichen Gebrauchs, auch bei den nordamerikanischen Ureinwohnern, sind die traditionellen Tipis oder Wigwams aus Leder gefertigt.

Anwendungsbereiche

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Echtleder-Boxspringbett

Leder ist eines der vielfältigsten Materialien überhaupt. Am bekanntesten dürfte wohl die Verwendung bei Schuhen oder Alltagsbekleidung sein, aber auch in folgenden weiteren Bereichen findet es Anwendung:

  • Berufs-, Schutz- und Funktionskleidung
  • traditionelle Trachten
  • Accessoires wie (Hand-)Taschen, Geldbörsen, Koffer, Etuis, Gürtel oder Hüte
  • Armreife oder Schmuckketten
  • Produktion von Sitz- und Polstermöbeln
  • Wohnraumgestaltung (z.B. Bespannung von Wänden, Lampenschirme)
  • Innenraumgestaltung von Autos, Bahnen oder Bussen (Ledersitze)
  • Lenkrad- und Cockpitverkleidungen
  • Fahrradsättel
  • Überzug von Bällen oder Sportgeräten
  • Transmissions- und Treibriemen
  • Dichtungen, Putz-, Wasch- und Filtrierleder
  • Musikinstrumente
  • Buchbinderei
  • Sättel und Geschirre von Pferden sowie Peitschen
  • Hundehalsbänder und Leinen

Arten

Bei Leder findet man viele verschiedene Arten, je nachdem von welchem Tier das Leder stammt und wie oder ob es vor dem Gerben behandelt wurde. Die unterschiedlichen Eigenschaften erhält das Leder durch die verschiedenen Methoden und Mittel beim Gerben. Es sind über 300 verschiedene Möglichkeiten für das Gerben bekannt. Dabei kommen pflanzliche Stoffe (verschiedene Baumrinden), mineralische Salze (Chromsalze, Aluminiumsalze, Zirkonsalze), auch synthetische Mittel (Aldehyde) und Fettgerbstoffe zum Einsatz. Nach den verschiedenen Eigenschaften; Haptik, Verschleiß, Festigkeit, Wasserdampfdurchlässigkeit und –aufnahme; und auch dem Aussehen richtet sich die Art der Verwendung.

Herstellungsverfahren

Das Herstellungsverfahren ist ein sehr langwieriger Vorgang, der aus vielen einzelnen Schritten besteht.

Schritt 1: „Das Lagern“

Nachdem die rohen Häute gewonnen wurden, werden sie konserviert und gelagert. Meist wird zur Konservierung Kochsalz verwendet. Danach werden die Rohhäute einer Qualitätskontrolle unterzogen und vorsortiert.

Schritt 2: „Das Weichen“

Im Anschluss an das Lagern folgt das sogenannte „Weichen“. Hier werden die vorher hinzugefügten Konservierungsstoffe wieder von den Häuten entfernt; dazu werden die Häute in Wasser eingelegt und gereinigt.

Schritt 3: „Der Hautaufschluss bzw. das Äschern“

Beim Hautaufschluss, auch Äschern genannt, werden die Haare auf der Oberhaut entfernt und das Fasergefüge aufgelockert. Dazu werden die Häute eine gewisse Zeit lang in eine Mischung aus gelöschtem Kalk und Schwefelverbindungen eingelegt. Je länger und intensiver der Hautaufschluss durchgeführt wird, desto weicher wird das Leder am Ende. Nach dem Äschern wird die Rohhaut nun als „Blöße“ bezeichnet.

Schritt 4: „Das Entfleischen“

Dabei werden noch anhaftende Gewebereste entfernt.

Schritt 5: „Die Beize“

Um das Gewebe aufnahmefähiger für die Gerbung zu machen wird es gebeizt.

Schritt 6: „Die Gerbung“

Um die Häute von ihren negativen Eigenschaften zu befreien, folgt nun der wichtigste Schritt in der Lederherstellung, denn erst hier werden die Rohhäute zu Leder. Die Gerbung dient der Konservierung und verhindert die Zersetzung des Materials. Die Blöße bestehen aus einem großen Teil aus Eiweißen; das Gerben verhindert die Verklebung der Eiweißfäden während der Trocknung und sorgt dafür, dass diese flexibel vernetzt werden. Den Häuten werden zu diesem Zweck mehreren Schritten sogenannte Gerbstoffe beigefügt, die diese in einem chemischen Prozess zu Leder werden lassen. Oftmals werden verschiedene Gerbverfahren angewendet, um die gewünschten Eigenschaften zu erreichen. Bekannte Gerbverfahren sind:

  • Vegetabile Gerbung (Gerbstoffe: Tannine in Blättern, Hölzern, Früchten und Rinden)
  • Gerbung mit Mineralsalzen (Gerbstoffe: Chrom-, Aluminium-, Eisen- bzw. Zirkonsalze)
  • Fettgerbung (Gerbstoffe: Fisch- und Seetieröle)
  • Gerbung mit Aldehyd-Gerbstoffen (Gerbstoffe: Glutaraldehyd)
  • Gerbung mit synthetischen Gerbstoffen (Gerbstoffe: Harzgerbstoffe, Polymergerbstoffe, Polyphosphate, Paraffinsulfochlorid)

Schritt 8: „Das Abwelken“

Nach der Gerbung werden die nassen Leder mechanisch entwässert. Vor dem Entwässern werden die Säurereste neutralisiert.

Schritt 9: „Das Sortieren“

Es erfolgt eine weitere Qualitätskontrolle.

Schritt 10: „Das Spalten“

Als Narbenspalt wird das Oberleder vom Kern- und Fleischspalt getrennt, d.h. die Haut oder das Fell werden über die gesamte Fläche in mehrere Schichten geteilt.

Schritt 11: „ Das Falzen“

In Falzmaschinen wird das Leder auf eine gleichmäßige Stärke gebracht, wobei gleichzeitig auch alle weiteren Unebenheiten entfernt werden.

Schritt 12: „Die Nasszurichtung“

Zur sogenannten Nasszurichtung gehört unter anderem das Färben und das Einfetten. In diesem Schritt werden die späteren Eigenschaften des Leders bestimmt. Um das Leder noch weicher und geschmeidiger zu machen, wird es eingefettet.

Schritt 13: „Das Ausrecken“

Beim Ausrecken wird das nass zugerichtete Leder gestreckt und nochmals entwässert.

Schritt 14: „Das Trocknen“

In der Regel wird das Leder nach dem Ausrecken hängend in Trockenöfen.

Schritt 15: „Das Stollen“

Das Leder wird in diesem Schritt durch Walkmaschinen weicher gemacht.

Schritt 16: „Die Trockenzurichtung“

Bei der Trockenzurichtung wird die Oberfläche des Leders behandelt, was für die gewünschte Farbe, die Struktur, den Glanz und die Beständigkeit eine entscheidende Rolle spielt. Während bei Rauledern wie z.B. Velours die Oberfläche geschliffen, gestaubt und wasser- und schmutzabweisend gemacht wird, werden auf Glattledern wie z.B. Nappa spezielle Lacke aufgetragen.

Schritt 17: „Die Kontrolle“

Der letzte Schritt ist die abschließende Qualitätskontrolle bevor das Leder weiterverarbeitet wird.

Eigenschaften des Leders

Leder ist ein sehr hochwertiges und hochpreisiges Material, dass je nach Behandlung während des Herstellungsverfahrens unterschiedliche Eigenschaften erhält. Zusammengefasst hat Leder im Allgemeinen folgende positiven Eigenschaften, die es einzigartig machen:

  • Wassertropfenechtheit
  • Reibechtheit der Oberseite des Leders
  • Durchlässigkeit bzw. Aufnahme von Wasserdampf
  • Haftfestigkeit der einzelnen Schichten
  • Wärmebeständigkeit
  • Lichtechtheit
  • Verschleißverhalten

Qualitätskriterien

Da Leder in vielen verschiedenen Bereichen Anwendung findet, ist auch auf unterschiedliche Qualitätskriterien zu achten. Während Möbelleder vor allem warm, weich und pflegeleicht sein soll, wird zum Beispiel bei Schuhleder zusätzlich noch auf Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität Wert gelegt. Allgemein sollten alle Leder frei von Schadstoffen sein, nicht ausbleichen oder unangenehm riechen und vor allem auch leicht zu reinigen und langlebig sein. Es gibt viele Prüfkriterien für die Lederqualität, was es für den Endverbraucher des Produktes schwierig und teilweise auch unmöglich macht, die Qualität des Leders beurteilen zu können, da die meisten Kriterien nur im Labor überprüft werden können; sogar Lederexperten erkennen nicht immer auf Anhieb jeden Qualitätsmangel.

Einen grundsätzlichen Tipp gibt es allerdings doch: Man sollte unbedingt auf den Preis achten! Ist dieser verhältnismäßig niedrig, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um minderwertiges Material, das möglicherweise nicht die Eigenschaften mit sich bringt, die man sich eigentlich davon erhofft. Aus diesem Grund sollte man lieber auf Markenprodukte zurückgreifen, da dort auf eine hohe Qualität des Leders geachtet wird. Bei Lederarten, bei dem man sich selber kein bestimmtes Produkt aussuchen kann, wie z.B. Autoleder wird die Qualität durch strenge Qualitätskontrollen überprüft.

So wie bei jedem anderen Naturmaterial können auch beim Leder teilweise Qualitätsschwankungen auftreten. Besonders bei Möbelledern und Bekleidung kann dieses Phänomen auftreten; von Haut zu Haut oder von Partie zu Partie können hier Unterschiede sichtbar sein, die auch zu einem unterschiedlichen Alterungsverhalten führen können.

Zusammenfassung

Es gibt Leder in vielen Varianten mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften und Qualitäten. Wenn man auf qualitativ hochwertiges Leder zurückgreift und das Leder regelmäßig gründlich pflegt, hat man viele Jahre Freude daran. Wer allerdings eine etwas günstigere, aber genauso pflegeleichte Variante bevorzugt, der sollte lieber auf Kunstleder zurückgreifen, da es optisch dem Echtleder ähnelt und nahezu gleiche Eigenschaften aufweist.

Quellenverzeichnis:

www.leder-gerbereien.ch
http://de.wikipedia.org/wiki/Leder
www.lederzentrum.de
www.leder-info.de
http://www.raumprobe.de/service/materialwissen/lederwissen/leder-definition/#c602