Dieser Text dient nur zur Orientierung! Es handelt sich nicht um eine Diagnose!

Was ist Gicht?

Gicht ist eine Störung des Harnstoffwechsels, die dazu führt, dass zu wenig Harnsäure aus dem Körper ausgeschieden wird. Durch Untersuchung des Blutes kann das festgestellt werden. Die Harnsäuremenge im Blut wird als Harnsäurespiegel bezeichnet. Er liegt beim gesunden Erwachsenen zwischen 3,0 und 6,0 mg pro 100 ml Blut. Liegen die Werte höher, spricht der Arzt von Hyperurikämie. Wenn keine Maßnahmen eingeleitet werden, um die erhöhten Werte zu senken, kann es zu einem ersten, akuten Gichtanfall führen.

Dieser muss vom Arzt untersucht werden und bedarf einer Behandlung, da es sich sonst zu einer chronischen Gicht entwickelt, in deren Verlauf sich Harnsäurekristalle in den Gelenken, an Sehnen und Schleimbeuteln und in den Nieren einlagern.

Das Resultat sind große Schmerzen, Deformierungen und Entzündungen.

Wie entsteht Gicht?

Gicht entsteht durch einen erhöhten Harnsäurespiegel.

Harnsäuren werden mit der Nahrung aufgenommen und auch im Körper produziert. Fällt im Körper zu viel Harnsäure an oder wird z.B. wegen anderer Erkrankungen zu wenig Harnsäure ausgeschieden, steigt der Harnsäurewert im Blut.

Die obere Grenze für die Löslichkeit der Harnsäure liegt bei ca. 6,0 mg/dl Blut. Wenn die Werte höher liegen, kristallisiert die Harnsäure, die sich dann ablagert. Diese Ablagerung, Gichttophi genannt, werden als Fremdkörper von den weißen Blutkörperchen angegriffen. Dieser Angriff setzt Entzündungsstoffe frei, die für die enormen Schmerzen sorgen. Die bekanntesten Gichttophi sind Harnsteine in den Nieren.

Es wird zwischen zwei Arten unterschieden – Die primäre und die sekundäre Form.

  • Bei der primären Form ist die Harnsäureausscheidung über die Nieren aufgrund einer genetischen Veranlagung gestört. Die Ausscheidungskapazität reicht aber noch aus, um einen Harnsäurerückstau im Organismus zu verhindern, solange die Ernährung purinarm ist. Bei Personen, die sich purinreich ernähren, z.B. durch einen hohen Fleischkonsum, übersteigt die Harnsäureproduktion die Ausscheidungskapazität und es kommt über Jahre zu einem Rückstau der Harnsäure.
  • Bei der sekundären Form verursachen verschiedene Faktoren den erhöhten Harnsäurespiegel. Auslösende Krankheiten können z.B. Nierenerkrankungen, Tumorerkrankungen, Blutarmut (Anämie) oder eine entgleiste Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sein. Aber auch verschiedene Medikamente (z.B. harntreibende Medikamente), Alkohol (insbesondere Bier) oder plötzliches Fasten können einen Gichtanfall auslösen.

Wie äußert sich Gicht? *

Kaum eine andere Gelenkkrankheit ist so schmerzhaft wie die Gicht.

Ein Gichtanfall tritt meist völlig überraschend während der Nacht auf. In 60 % der Fälle ist es das Grundgelenk der großen Zehe, das rötlich-violett anschwillt, heiß wird und stark zu schmerzen beginnt. Schon der Druck der Bettdecke kann zu einer unerträglichen Tortur werden.

Häufig lassen die Beschwerden am Morgen nach, können aber in den nächsten Tagen wieder zurückkehren. Begleitend treten Symptome wie allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, erhöhter Puls, Kopfschmerzen und Erbrechen auf. Schnell und richtig behandelt hat ein einzelner Gichtanfall meist keine bleibenden Folgen.

Wird der Anfall jedoch nicht, falsch oder ungenügend behandelt, kann er die Basis für ein oft lebenslängliches Problem bilden. Bis es zu einem erneuten Gichtanfall kommt, können Jahre vergehen. Die Abstände werden dann immer kürzer. Der Zustand Gicht wird zur chronischen Erkrankung, in deren Verlauf es zur Zerstörung des Gelenkknorpels, der Knochen und der Sehnen kommen kann.
Die Folgen sind Gelenkschäden mit Deformierungen, Bewegungseinschränkungen und enorme Schmerzen.

Gelenke, die von Gicht häufig betroffen sein können:

  • Großzehengrundgelenk: 60 %
  • Sprunggelenk: 14 %
  • Knie: 6 %
  • Fußweichteile und übrige Zehen: 2 %

Lagern sich die Kristalle auch in den Nieren ab, können sich Nierensteine bilden. Selten kann es dadurch auch zu einem lebensgefährlichen Nierenversagen kommen. Harnsäureeinlagerungen im Darm können zu heftigen Koliken führen.

Wie wird die Diagnose Gicht gestellt? *

Die Diagnose des akuten Gichtanfalls ergibt sich aus den Beschwerden, die unverwechselbar sind. Einen akuten Gichtanfall muss ein Arzt diagnostizieren.
Bei einem akuten Gichtanfall zeigt die Blutuntersuchung häufig keinen erhöhten Harnsäurespiegel, sondern nur eine Erhöhung der Entzündungswerte. Mittels Röntgenbild oder MRT können die Langzeitschäden betroffener Gelenke dargestellt werden.

Wie wird Gicht behandelt? *

Obwohl diese Krankheit mit sehr großen Schmerzen verbunden ist, so ist sie bei schneller Diagnose meist leicht heilbar. Wichtig ist in erster Linie die Entzündungen zu beenden. Danach müssen die Harnsäurewerte wieder auf ein normales Level gebracht werden. Oft reicht dafür eine simple Ernährungsumstellung. Wenn die Maßnahmen, die der Arzt vorgibt, konsequent eingehalten werden, sind die chronische Gicht und ihre Folgen vermeidbar.

Ein erhöhter Harnsäurewert allein bereiten keine Beschwerden. Aber gerade daher ist es extrem wichtig sich an die Therapie zu halten, da das Risiko zu groß ist, erneute Beschwerden zu bekommen. Die Harnsäurewerte müssen in den empfohlenen Abständen kontrolliert werden. Dann steht einem beschwerdefreien Leben mit Gicht nichts im Weg.

Die Therapien sind untergliedert in die Behandlung des akuten Gichtanfalls und der Dauertherapie:

  • Initiale Therapie
    Ziel der Therapie gegen den akuten Gichtanfalls ist es, mit Medikamenten möglichst schnell die Schmerzen zu reduzieren.Das “Gift” der Herbstzeitlosen (Colchicin) (Die Herbstzeitlose oder Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale) ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae) gehört.) hindert die weißen Blutkörperchen daran, Harnsäurekristalle aufzunehmen und zu transportieren. Colchicin wird in stündlichen Abständen zu je 0,5 mg solange verabreicht, bis die Schmerzen abklingen bzw. Nebenwirkungen, wie Übelkeit oder Durchfall auftreten.Die maximale Dosis am ersten Behandlungstag darf 8 mg nicht überschreiten. Durch Colchicin werden die starken Schmerzen in der Regel innerhalb weniger Stunden erheblich reduziert und letztlich beseitigt.Die Unterbrechung des akuten Gichtanfalles durch Colchicin legt den Grundstein für die erfolgreiche Langzeittherapie.
  • Dauertherapie
    Die Dauertherapie beginnt unmittelbar im Anschluss an die erfolgreiche Behandlung des akuten Gichtanfalls und hat das Ziel, weitere Anfälle und die Bildung einer chronischen Gicht zu verhindern. Eine dauerhafte Normalisierung des Harnsäurespiegels ist der Schlüssel.In den ersten drei bis vier Monaten unterstützt Colchicin in niedrigeren Dosierungen bei der Prävention neuer Gichtanfälle. Gleichzeitig startet die Langzeittherapie mit spezifischer Umstellung auf purinarme Kost, der Aufnahme von mindestens 2 Litern Flüssigkeitsaufnahme pro Tag, dem Verzicht auf Alkohol und dem Abbau von Übergewicht.Diese Basis der Langzeittherapie kann je nach Krankheitsursache und Auswirkung der Basistherapie auf den Harnsäurespiegel zusätzlich entweder die Harnsäureausscheidung steigern oder die Harnsäurebildung reduzieren.

Die regelmäßige ärztliche Kontrolle des Harnsäurespiegels lässt früh erkennen, ob die angesetzte Therapie den gewünschten Erfolg zeigt. Diese Kontrollen helfen auch, evtl. erhöhte Harnsäurespiegel so früh zu erkennen, dass Komplikationen und neuen Anfällen rechtzeitig entgegen gewirkt werden kann.

Wann sollten Medikamente eingenommen werden?

Medikamente sollten sowieso immer nur in Absprache mit einem Arzt eingenommen werden. Werden akute Gichtanfälle nicht behandelt, manifestiert sich die Krankheit als chronische Gicht mit häufigeren Anfällen und immer mehr Ablagerungen. Die rasche und konsequente Behandlung des akuten Gichtanfalles setzt deshalb die Zeichen für eine möglichst beschwerdefreie Zukunft. Der akute Anfall bedarf einer spezifischen Behandlung.

Durch anfänglich relativ hohe Dosen von Colchicin werden die heftigen Schmerzen im Verlauf des akuten Gichtanfalles innerhalb Stunden deutlich gemindert und verschwinden innerhalb von ein bis zwei Tagen meist völlig.

Im Anschluss an diese “hochdosierte” Initialtherapie wird Colchicin je nach Bedarf für 2 bis 3 Monate in niedrigeren Dosen eingesetzt, um die erhöhten Harnsäurewerte in den Bereich (zwischen 3,0 und 6,0 mg pro 100 ml Blut) zu lenken, in dem eine Kristallisierung nicht möglich ist.

Nach der erfolgreichen Behandlung des akuten Gichtanfalls ist eine medikamentöse Behandlung dann notwendig, wenn die eingeleitete Ernährungsumstellung keine ausreichenden Ergebnisse zeigt.
Um den Harnsäurehaushalt des Körpers zu verringern, stehen zwei Arten von Medikamenten zur Verfügung.

  • Urikosurika – Die „Harnsäure-Ausscheider“
    Dieser Begriff beschreibt Medikamente, welche die Harnsäureausscheidung fördern.
    Die wichtigsten Wirkstoffe: Probenecid und Benzbromaron.
    Beide hemmen die Rückresorption der Harnsäure in der Niere und vermindern so deren Konzentration im Blut. Die Neubildung von Gichtknoten wird verhindert, es kann sogar zu einem teilweisen Abbau kommen.
  • Urikostatika – Die “Harnsäure-Blocker”
    Hierbei handelt es sich um Medikamente, welche die Harnsäuresynthese hemmen. Das einzige Urikostatikum ist Allopurinol. Es hemmt ein spezifisches Enzym (Xanthinoxidase) des Purinstoffwechsels, das die Bildung von Harnsäure katalysiert. Dadurch werden bestimmte Stoffwechselprodukte, die als Vorstufe bei der Bildung der Harnsäure beteiligt sind (Hypoxanthin, Xanthin), vermehrt mit dem Urin ausgeschieden. Dies führt letztlich zu einer Senkung des Harnsäurebestandes.
  • Kombinationspräparate
    Es stehen auch Kombinationspräparate mit Benzbromaron und Allopurinol zur Verfügung, die zur Behandlung spezifischer Patienten geeignet sind. Sie haben aber den Nachteil, dass Benzbromaron die Ausscheidung von Allopurinol (bzw. Oxipurinol) beschleunigt und damit die Wirksamkeit von Allopurinol beeinträchtigt wird.

Prognose

Ein zu hoher Harnsäurespiegel ist nicht schädlich. Dauerhaft kann es allerdings zu Gichtanfällen führen. Wer sich aber konsequent und dauerhaft an die Verordnungen und Ratschläge vom Arzt hält, umgeht das Risiko einer chronischen Gicht und neuen, akuten Gichtanfällen immens.


Lebensmittel mit viel Purin:

Die folgenden Lebensmittel enthalten viel Purin und sollten deswegen nur in Maßen verzehrt werden:

  • Fleisch
  • Geflügel
  • Wild
  • Innereien
  • Wurst
  • Fisch
  • Sojaprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Haut von Fisch und Geflügel
  • Kruste von Fleisch
  • Geräucherte Fisch- und Fleischwaren
  • Schalen- und Krustentiere
  • Kohl, Kohlsprossen, Spinat, Spargel

Lebensmittel mit wenig Purin:

  • Alle anderen Gemüsesorten
  • Eier
  • Milch und Milchprodukte
  • Getreide und Getreideprodukte

* Dieser Text dient nur zur Orientierung! Es handelt sich nicht um eine Diagnose!